Wie mich ein montägliches Hefeweizen spontan an den Ballermann führte – Teil 1

Dieser Montag begann so unspektakulär. Ich war am Morgen mit dem Zug zurück nach Würzburg gereist, war das Wochenende unterwegs. Also schönen Powernap gemacht, der von einem Telefonanruf unterbrochen wird. „Ey, die Sonne kommt raus, Bock auf Hefeweizen auf der Terrasse?“ Naja, es ist März, ich hab Semesterferien, nicht mal eine Hausarbeit, vor der ich mich drücken könnte, also warum eigentlich nicht.

Der Tag fing so entspannt an
Der Tag fing so entspannt an

Ab in die Linie 5 in Richtung besagter Terrasse und mal sehen, was der Tag so bringt. Ein Hefeweizen, zwei, drei. Lass mal Pizza bestellen. Ich wechsle auf Pilsbier. Der Tag fliegt so dahin. Mir gefällt es.
Gegen Abend schließen sich weitere Freunde an. Es ist ja immer eine gewisse Wettbewerbsverzerrung, sich erst später an eine Trinkrunde anzuschließen. Aber die Jungs holen gut auf.
Es ist ein netter Abend. Nicht spektakulär, aber launig. Wir erzählen von Urlauben. Ich gebe meine Bangkok-Story zum Besten, ein Anderer erzählt von Island, dann kommt eine Story zu einem USA-Aufenthalt. Es ist diese Art der Gesprächsrunde, in der jeder einfach nur seine Geschichte durchbringen will und darum jede Atempause des Gegenübers nutzt, um von seinem Urlaub zu erzählen. Irgendwie ja doch ganz witzig.
Die Las-Vegas-Storys finde ich echt interessant. Da war ich noch nie und würde ich gerne mal hin. Irgendwann die Idee: „Lass da doch jetzt hinfliegen.“
Haha, hihi, tolle Idee. Naja, geht ja ohne Reisepass und vorheriges Visum nicht. So ein Mist, super schade, sonst hätten wir das ja echt machen können. Und plötzlich, ich weiß nicht mehr warum, sagt irgendwer: „aber nach Malle könnten wir fliegen, das geht so.“ Hm. Oh. Stimmt. Tatsache.

Die Idee war geboren

Naja, was soll ich erzählen. Ihr wisst, wie sowas ist. Die Idee ist geboren. Flott das Handy ausgepackt, wann geht denn morgen die nächste Verbindung. Hier wären jetzt viele Reaktionen richtig gewesen. Z.B. „Nein, das ist zu teuer.“ oder „Für den Preis kriegt man sonst ein Wochenende mit Hotel.“ oder auch „Frankfurt – Palma sollte wirklich als Direktflug drin sein“.
Rückblickend auch recht lustig, dass wir die Idee „mit dem Taxi nach Paris zu fahren“ sehr schnell verwarfen, da das ja sicher viel zu teuer ist. Es wäre uns wesentlich günstiger gekommen. Es gäbe also viele gute Argumente, jetzt eben nicht nach Mallorca zu fliegen.
Stattdessen war meine Reaktion allerdings: „Ach, warum nicht, lass doch machen!“ Das Hauptargument, was ich mir als 50%-BWLer eingeredet hatte, war dass diese Story zwar jetzt einmal recht teuer ist, ich das Ereignis aber ja über Jahre abschreiben kann. Es ist also ein Superschnäppchen, so lange ich die Geschichte danach häufig genug erzähle. Was soll ich sagen: Klang zu dem Zeitpunkt irgendwie überzeugend. So soll es also sein, zwei Reisenden sind wir, die um 7:55 Uhr von Frankfurt am Main über Madrid nach Palma fliegen wollen. Was für eine klasse Idee. Von den anderen Mittrinkern, die nicht mitfliegen, werden wir als Helden gefeiert. Ein gutes Gefühl. Mein Begleiter hatte gerade Kohle vom Studentenjob bekommen, mir hatte Barclay just das Limit für die Kreditkarte erhöht. Ab geht die wilde Fahrt.

Los geht’s

02:30 Uhr buchen wir übers Handy die Tickets. 04:15 Uhr rufe ich unser Taxi zum Bahnhof. Der Taxifahrer wird, wie so ziemlich jeder, der uns an diesem Tag begegnet, unfreiwillig mit der gesamten Geschichte konfrontiert. Am Bahnhof erstmal Frühstück. Ein Schinken-Käse-Wurst-irgendwas-Croissant und eine Dose 5,0 sind einfach die besten Kombination.
Kurz nach Fünf fährt die Regionalbahn nach Frankfurt. Da für normale Menschen ja gerade einfach nur Dienstagmorgen ist, ist der Zug voller Pendler, die eigentlich lieber schlafen würden, als von zwei Besoffenen vollgeblubbert zu werden.
Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mehr, was wir geredet haben. Hauptsächlich wohl uns selbst für diese Idee gelobt.
Jedenfalls hatte ich mich bis dato noch nie mit „Vielen Dank, sie waren ein großartiges Publikum“ aus der Regionalbahn verabschiedet. Erschien mir aber hier irgendwie passend.

Zwei Betrunkene irren über einen Flughafen

Wo müssen wir hin?
Wo müssen wir hin?

Gut, die Zeit wird langsam knapp. Es ist 7 Uhr, wir sind am Frankfurt Hauptbahnhof. Also ab ins Taxi, dem Taxifahrer unsere Mission erklären und einen großen Betrag Trinkgeld in Aussicht stellen für den Fall, dass es zügig geht.
Großer Fehler, wir bangen um unser Leben. Er überfährt jede rote Ampel. Aber gut, dafür ging es tatsächlich flott.
Der Flughafen ist komplett überfüllt, wenn wir uns jetzt an die Regeln halten, gibt das nichts. Da vorne, an dem Business Class Schalter ist nix los, lass da mal fragen. Wir erklären unsere Mission, man lacht uns erst aus, gibt uns dann aber die Tickets und bittet uns, nun wirklich Gas zu geben, da der Flieger zeitnah los soll.
Wir machen das tatsächlich
Wir machen das tatsächlich

Unmittelbar nachdem wir die Maschine betreten, werden tatsächlich die Türen geschlossen. Das war knapp.
Leider sitzen wir getrennt. Leider sage ich erste Linie aus Sicht der Menschen, neben denen wir dann gesessen haben.
Aber es scheint tatsächlich wahr zu sein. Wir fliegen jetzt nach Mallorca. Oder zumindest erstmal nach Madrid.
Und wie es da weitergeht, erfahrt Ihr nächste Woche im zweiten Teil. Angenehmen Kater bis dahin!

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