Warum Katern besser ist als Saufen

Unendliche Male habe ich schon erlebt, wie wundervoll es ist, zusammen zu katern. Sei es nach der Sturmfreifete mit 15 (gerne getarnt als „Videoabend“), der Studentenparty in Gießen oder nach der Firmenfeier in Troostiboys Wohnung. Es hat einfach seinen ganz eigenen Charme, wenn die Reste der Nacht zum Leben erwachen und den Abend Revue passieren lassen können. Aber eins nach dem Anderen.

Das frühe Erwachen

Hier ist gerne derjenige als Erster wach, der auf der Party um 22 Uhr bewusstlos geworden ist. Hatte dann ja schließlich ausreichend Nachtschlaf. So kann man noch aus der liegenden Position den anderen auf den Sack gehen. Gerne mit einem Essenswunsch oder Ähnlichem. Welcher Gastgeber wird nicht gerne geweckt von „Ich will n Döööööner!“. Das Schöne an diesem „liegenden Katern“ ist, dass hier häufig noch kein Kopfschmerz eingesetzt hat. Überhaupt ist diese Grundstimmung „Kater ist noch nicht da, weil ich bin noch bumsvoll vom Vorabend“ eine wunderbare Infantilität, die an eine Klassenfahrt in der Hochpubertät erinnert.

"Kann mir das nochmal einer erklären?"
„Kann mir das nochmal einer erklären?“

Die Party wird reflektiert. Mit wem ist Caro eigentlich gestern nach Hause gegangen? Wo ist Thorsten denn dann abgeblieben? Wer war so blöd, den ganzen Schnaps zu bestellen? Hatten die jetzt noch gekifft? Von wem ist denn dieses Lied mit „Hopes for Living, blabla“, was Timm da erzählt hatte? Und Du willst jetzt echt Italienisch lernen?
Das ist ja das Schöne am Katern. Wir haben jetzt Zeit, um das ganz in Ruhe nochmal durchzusprechen.
Dazu bitte irgendwelche verrückte Musik. Keine Partymucke, aber z.B. „Großer Gott wir loben Dich“ oder einfach die komplette Pink Floyd Discographie bieten sich an. Peter kümmert sich.

Tagesplanung

Erstmal den Caterer kommen lassen
Erstmal den Caterer kommen lassen

Diese wundervolle Stimmung ändert sich meistens abrupt, wenn der erste sagt „Naja, hilft ja nix, ich geh mal duschen“. Das gilt es unbedingt zu unterbinden. Alle Aktivitäten in Richtung „Wir wollen heute noch was sinnvolles tun“ sind absoluter Quatsch und sollten sofort abgebrochen werden. Ein „Duschen gehen“ oder „ich buch mir jetzt schon mal das Zugticket“ zerstört die ganze schöne Stimmung. Lasst das!

Viel besser ist Speiseplanung. Hier sind die Regeln einfach: fettig und viel. Danach fährt der Puls auf 30 Schläge runter und ihr könnt vielleicht auch nochmal kurz die Augen zumachen.

Durchstarten

Einfach in den Tag radeln
Einfach in den Tag radeln

Der allerbeste Tagesplan ist aber natürlich: durchstarten. Auf einer WG-Party in Siegen im Herbst 2006 erkannte ich, was das für eine Freude ist. Einfach mit einem kleinen Radler, einem Cola-Weizen oder auch gerne einem Glas Schaumwein (von mir aus auch Hugo) in den großen Sufftunnel einfahren. In der Medizin ist das glaube ich noch nicht sonderlich angesehen, aber Alkohol hilft halt auch einfach extrem gut gegen einen Kater. Schön ist dann auch der Zeitpunkt, an dem der Partyraucher entscheidet „Ah, dann brauche ich jetzt auch mal eine Kippe.“. Passiert meist nach Radler Nr. 3. Bei der Gelegenheit hole ich mal neues Bier aus’m Kühlschrank.
Damit ist dann nämlich auch sofort klar, dass an dem Tag gar nichts mehr passiert. Ich stelle mir das immer sehr bildlich vor. Es hätte viel aus dem Tag werden können, Du hättest was für die Uni tun können, zum Sport gehen, endlich mal das Zeug von der Druckerei abholen oder sonst was. Alles Quatsch. Du setzt Dich aufs Dreirad und zack geht es bergab in den Tunnel. Echtes Leben? Ab morgen dann vielleicht.

Ab in den Tunnel
Ab in den Tunnel

Und glaub mir, der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. Es kommt dann doch der Moment, wo Du Deinen Zug nehmen musst, angesoffen in der Bahn sitzt und am nächsten Tag den Kater Deines Lebens hast. Allein.

Und um dieses Spiel umzudrehen, möchte ich Euch einen neuen Trend begründen. Statt wie bisher zusammen zu saufen und alleine zu katern, mache ich es jetzt ab sofort so, dass ich mich Freitagabends alleine betrinke und wir treffen uns dann alle am Samstagmorgen um 10 bei Felix zum Katern. Wird sicher lustig! Wer mag, kann auch einen selbstgemachten Salat mitbringen.

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