Laufen ist wie Saufen

Der Oktober endete, eigentlich die Zeit der Wiesn. Aber anstatt mir mit amerikanischen Fratboys maßkrugweise im Himmel der Bayern Hacker reinzuladen , habe ich das sportlich herausragenste Jahr meines Lebens hinter mir.
Ich bin 300 km Fahrrad gefahren, habe eine virtuelle Duathlon-Mitteldistanz absolviert und bin einen Marathon gelaufen.
Diese sagenumwobenen 42,195km stellen für viele den Inbegriff einer Ausdauerleistung dar und wohl kaum etwas wirkt auf den ersten Blick so weit weg von „Maßkrüge saufen“, wie „Marathon laufen“. Aber ich sage es euch: Laufen ist wie Saufen.

Welche Parallelen?

Fangen wir dem offensichtlichen an. Viele von Euch werden sagen „Aber Troostiboy, laufen ist gesund, saufen aber nicht!“ – Interessiert nicht. Wir wollen hier keinen Moralapostel spielen, sondern uns an den Freuden des Lebens erquicken. Und das geht eben in beiden Bereichen!
Eine der größten Freuden ist es, bei Strava fortwährend das Wort „Lauf“ durch „Sauf“ zu ersetzen. Der nüchterne Morgensauf. Sauf am Abend. Vorher warmsaufen und zur Nachbereitung auch gerne mal ein Sauf-ABC. Aber alle 800km bitte die Saufschuhe wechseln, sonst ist das schlecht für die Knie. Und ruhig mal aufm Saufband eine Saufanalyse machen lassen.

Säufer aller Leistungsklassen
Säufer aller Leistungsklassen

So kannste Dir auch eine ganze Sportreportage angucken: „Schnelle Säufer sind heute schon in 2 Stunden durch.“ „Das Führungsfahrzeug markiert den ersten Säufer.“ „Platz da, die Säufer kommen.“
Nicht umsonst tummeln sich in meiner Strava-Timeline maßgeblich die Leute, mit denen ich noch bis vor wenigen Jahren semiprofessionell im Maßkrug exen und Cuba Libré ballern unterwegs war. Es sind dann doch irgendwie die gleichen Bereiche im Großhirn, die da angesteuert werden.
Und wer schon mal ein 1,8Liter-Achteckglas in 12 Sekunden geleert hat, der weiß eben auch für die Triathlon-Langdistanz: gleichmäßiges Pacing ist wichtig! Nicht zu früh überzocken!

Meine Definition von Glück

Ein alter Trinkerwitz lautet: Meine Definition von Glück – Keine Termine und leicht einen sitzen. Angeblich auf Harald Juhnke zurückzuführen. Und tatsächlich, diese Momentlosigkeit frei von jedem Gedanken nach gestern oder morgen hat etwas wahnsinnig magisches, was ich bisher hauptsächlich in unterfränkischen Biergärten erleben durfte. Und doch, das gleiche Gefühl gibt’s auch beim Laufen. Das richtige Tempo, die

Keine Termine
Keine Termine

perfekte Form der Belastung und eine großartige Playlist. Dann vergesse ich alles. Ein guter Lauf ist es immer dann, wenn ich ab der zweiten Hälfte nicht mehr weiß welcher Wochentag ist. Und das gilt bekanntlich auch für einen guten Sauf! Runners High, Drinkers High, alles datselbe!
Und im Ernst, ob ich jetzt völlig am Rand der eigenen körperlichen Fähigkeiten einen 300er aufm Rad fahre oder einfach ’ne Woche in Bangkok durchsaufe. So groß ist der Unterschied nicht. Und wirklich gesund ist auch beides nicht.

Viva Espania

Im Frühjahr fahre ich (sofern pandemiebedingt möglich) wieder mit 4 Arbeitskollegen, alle kurz vor der 30 stehend, auf eine spanische Insel. Wir werden jeden Tag unendlich viel gemeinsam lachen, uns aus Verpeiltheit alle einen Sonnenbrand holen, aufpassen nicht kotzen zu müssen und jeden Abend wie die Barbaren übers Hotelbuffet herfallen.

Malle ist nur einmal im Jahr
Malle ist nur einmal im Jahr

Man ahnt bereits, wir fliegen nicht an den Ballermann, sondern auf die Kanaren zum Trainingslagerurlaub. Aber ohne Witz, ich würde nicht sagen, dass eine Woche lang Lanzarote inklusive viel zu vieler und viel zu harter Trainingseinheiten jetzt weniger lustig ist, als Ballern auf Malle.

Am Ende des Tages ist es egal. Ich möchte für mehr Verständnis auf beiden Seiten werben. Auch wenn es eine spannende Frage wäre, ob mehr Leute in der Lage sind 10 Maß auffer Wiesn zu ziehen oder 300km im Sattel zu sitzen. Im Übrigen habe ich auch mal elf Haxen im Würzburger Hofbräu gegessen, aber das ist eine andere Geschichte…

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