Troostiboy meets Gangsta-Rap

Liebe Fans!
Nachdem ich Euch mehrfach mit Inhaltlichem belästigt habe, kommt heute wieder eine Lach- und Trinkgeschichte. Ein Erlebnis, was ich nur jedem empfehlen kann. Ein Konzert von 187Straßenbande-Mitglied „GZUZ“.

Warum überhaupt?

Man darf sagen, Deutschrap und ich hatten keinen leichten Start. So bin ich doch eher rockmusiklastig sozialisiert. Ich fand schon in der Grundschule die Ärzte klasse, habe mit 7 Jahren angefangen Gitarre zu spielen und Hiphop war für mich irgendwie immer eher mit dem Nachbarsjungen verknüpft, der häufig böse zu mir war. Die Beginner waren da so ein bisschen die Ausnahme, Bambule habe ich hart gefeiert und auch das totgeduldete Gustav Ganz rappe ich auf jeder mindsquare-Party nachts um 4 allen vor. „Vieles erreicht, weil Vieles gegeben, letzten Endes hatte ich nur Glück, ich liebe das Leben“ ist die beste Line ever.
Wie dem auch sei, Deutschrap war für mich immer eher fröhlich und vor allen Dingen lustig. AggroBerlin-Artists Sido und co. werden sich beim Weihnachtssong auch selbst nicht sonderlich ernst genommen haben. Ich war ja auch mal Sido an Karneval!

Ich als Rapper
Ich als Rapper
Natürlich nur noch getoppt vom Jura-Studenten Felix Blume, der als „Kollegah“ seinen Film der Bosstransformation schiebt.
Alles immer mit einem Augenzwinkern, ein bisschen das, was Martin Sonneborn für die Politik und Troostiboy für die Influenzer-Welt ist.

Und dann kam 187

Gut, mit Sicherheit gab es schon vorher irgendwie „echt realen“ Gangsterrap. Aber dieser 187-Kosmos ist für mich so das erste Mal, dass tatsächliche Kriminelle und wegen schwerer Straftaten verurteilte junge Männer, die Spitzen der Charts stürmen. Aber gut, wer bin ich um über diese Herren zu urteilen, das Ganze macht sie aber interessant genug, um der Truppe auf Insta zu folgen und sich mal das Konzert anzutun. Also springen wir jetzt in der Zeit zum 28.9.2018!

14:07 Uhr

Und los!
Und los!

Ich führe in diesem Moment tatsächlich noch Klausuraufsicht. In meinem Kopf spiele ich schon den Plan durch. Von hier aus ab in den Pott, die Karre am Hotel abstellen und mit dem öffentlichen Personennahverkehr nach Dortmund. Dort treffe ich auf Patrick (Name geändert; bekannt aus dem Würzburg-Artikel), der mich begleiten wird. Auf der S-Bahn-Fahrt dorthin gönne ich mir drei Bolten Alt. Man möchte ja nicht unvorbereitet kommen.
Konzerte funktionieren ja irgendwie immer gleich, am Bahnhof zusammentreffen, am Kiosk noch zwei Bier und Kippen kaufen und ab mit dem Taxi zur Konzertlocation.
Wir sind viel zu spät, für Vorbands hatte ich aber irgendwie nie was übrig. Also noch ein Bier und eine Zigarette vor der Tür und rein ins Getümmel.

Unsere Rolle

Das Konzept für den Abend ist eigentlich klar. Etwas außen stehen und am Bierstand in Ruhe volllaufen lassen und über das Publikum kaputt lachen. Wie vermutet bin ich der einzige im Hemd. Patrick hat zur Tarnung ein vanillefarbenes Lacoste-Polo an. Na herzlichen Glückwunsch.
Erste Bestellung: 2 Jägermeister und 2 große Biere. Jetzt auch noch Schnaps trinken. Aber gut, von mir aus. Der Hauptkünstler des heutigen Abends trinkt hinter der Bühne ebenfalls gerade Jägermeister, so seiner Insta-Story zu entnehmen. Muss man sagen, der Wolfenbüttler schafft es wirklich durch alle gesellschaftlichen und sozialen Schichten ein beliebter Schnaps zu sein. Dabei ist er, objektiv gesehen, einfach nur ekelhaft.
0,4er Bier kostet 4,60 €. Das ist teuer, aber man könnte ja gerade auch Maßkrüge für 11,50 € auf der Theresienwiese trinken, von daher eigentlich noch günstig.

Trinkdynamik

Jetzt mach den Becher leer
Jetzt mach den Becher leer

Es entsteht eine lustige Trinkdynamik zwischen uns beiden. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt. Diese ständige „Im Augenwinkel gucken, wie viel der Andere noch im Glas hat“ um dann immer ein kleines Schlückchen weiter mit dem Bier zu sein. Dazu natürlich noch der klassische Beat: Kandidat A ist als erstes fertig, gibt Kandidat B den Becher und sagt „Hol mal neu, ich geh pissen“. Dadurch hat Kandidat B ja dann beim neuen Bier schon Vorsprung, wenn A vom Pissen zurück kommt und der Spieß dreht sich um.
Das führt dazu, dass wir die Trinkgeschwindigkeit irgendwann, völlig unabgesprochen, auf absoluten Maxspeed hochfahren. Gestehen uns am Folgetag, dass er sich beim Stürzen vor lauter Gier ständig auf die Jacke gekleckert hat, während ich beim Aufstoßen zwischenzeitig Sorge hatte, dass ich den Becher wieder voll mache.

Das führt natürlich dazu, dass wir schön schnell blau werden und das Konzert in vollen Zügen genießen können. Führt ja auch dazu, dass man das Rauchverbotsschuld bereits nach wenigen Minuten eher als eine Art Empfehlung ansieht. Beim Reinkommen hatten wir uns noch geärgert, dass man nicht rauchen darf. Als vor mir gekifft wird, ignoriere ich diese Anweisung.

Skurilitäten

Generation Smartphone
Generation Smartphone

Natürlich hat so ein Konzert im Publikum all das, was man erwartet. Aufm Klo nehmen die Leute weißes Pulver zu sich, die Hälfte trägt ein frisch erworbenes Merchandise-Shirt, Minderjährige fliegen beim Bierkaufen auf und wer beim Pinkeln nicht schnell genug fertig ist, muss Angst haben, verprügelt zu werden. Außerdem raucht die blonde 19jährige vermutlich härteres Dope im ihrem Purjoint, als ich in meinem Leben je gesehen habe. Es ist eine andere Welt. Ich gehöre hier nicht hin. Die Frau am Bierstand fragt, ob ich für die zwei Bier eine Quittung brauche. Geil, man traut mir also zu, dass ich diesen Konzertbesuch hier einreichen kann. #dankemindsquare
Alle Zuschauer müssen fortwährend die Hand in Form einer „9 Millimeter“ in die Luft halten. Mir kommt der Gedanke, dass ich wohl der einzige legale Waffenbesitzer im Raum bin.

Musikalisch

Auch das soll nicht unerwähnt bleiben. Natürlich eine Katastrophe. GZUZ ist die ganze Zeit außer Atem und gröhlt eigentlich nur die bekannten Zeilen übers Playback drüber. Quasi wie Mia Julia, nur in schlecht. Aber ganz im Ernst, ich bin auch nicht für ein außergewöhnliches akustisches Erlebnis hier. Sondern für das Erlebnis an sich. Und es war absolut eins.
Wie GZUZ fortwährend betonte: ALLES REAL HIER! WIR SIND ECHT!
Und das glaube ich Ihm auch. Der meint das wirklich ernst. Und genau das macht die Sache irgendwie ziemlich lustig.

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