4 Jahre #Consultinglife – Mein Fazit

Liebe Leser,
liebe Generation Y,
in wenigen Tagen jährt sich mein erster Arbeitstag im IT-Consulting zum vierten Mal und daher möchte ich an dieser Stelle eine Bilanz ziehen.
Nein, es soll kein reiner Werbebeitrag für mindsquare sein, sondern ich möchte ein ehrliches Fazit meiner letzten vier Jahre wiedergeben und Euch zeigen, wie ein Berufsleben so laufen kann.

Warum habe ich mich damals dafür entschieden?

Ganz im Ernst, mindsquare und auch die Beratungsbranche generell haben auf mich einen schönen Partyeindruck gemacht. Beim Bewerbertag wurde Paintball gespielt und Bier getrunken und ich hatte bereits die ein oder andere Suffgeschichte aus dem Umfeld gehört und dachte: „Jo, das machen wir mal.“

Nach Feierabend vorm Hotel zechen? Klingt spaßig!
Nach Feierabend vorm Hotel zechen? Klingt spaßig!

So quasi zum Ausklingen des Studentenpartylebens mal zwei Jahre Beratung machen, viel feiern und danach verpiss ich mich wieder in irgendeiner 35h-Woche und werde erwachsen.
Und ich kann sagen, ja, Berater können Feiern. Zwischen Fußballstadion, Würstchenbude in Wien, 5-Sterne-Hotel auf Mallotze und Wasserschloss war einiges dabei – natürlich auf Firmenkosten. Feiern gehört zum Berater sein wohl dazu, vor allem halt auch vielerorts. Teamevent hier, Fachbereichsevent da. Ich habe gefühlt in den letzten vier Jahren in jeder deutschen Großstadt gefeiert und es schätzen gelernt, wenn ein Hotel Late-Check-Out hat.

Warum wird eigentlich so viel gefeiert?

Es ist irgendwie der Spirit. Mein Arbeitgeber hat einen Altersschnitt von 28 Jahren. Die meisten kommen hier als Berufseinsteiger hin. Dann einen DAX-Konzern beraten, ist ja erstmal eine heroische Aufgabe. Dafür brauchst Du Verbündete. Die findet man bekanntlich immer an der Theke. Ich kenne die Vorurteile, Berater seien alles egozentrierte Spakkos. Darum ja auch das provokante Titelbild dieser Beitrags. War aber nur fake for clickbait!

Fake!
Fake!

Ich darf sagen, der kollegiale Zusammenhalt ist wirklich großartig. Es ist eigentlich sogar ein recht herzlicher Umgang. Hat mich auch überrascht, klingt doch „FreundestattKollegen“ erstmal nach einer unfassbar abgedroschenen Floskel.
Aber glaub mir, wenn Du Deinen Kollegen mal nachts um 3 aufs Hotelzimmer getragen hast, weil er nicht mehr laufen konnte, geht der eben auch ans Telefon, wenn bei Deinem Kunden die Hütte brennt und Du keine Ahnung hast, was Du machen musst. Als Wehrdienstverweigerer stelle ich mir so Kameradschaft vor. #Shitstormincoming

Der Preis, der zu zahlen ist

Beratung ist viel weniger ein Beruf, sondern viel mehr eine Art zu leben.
Mit anderen Worten: Du verbringst Dein Leben auf Reisen. Mehrfach pro Woche sprichst Du den Satz „Troost mein Name, ich habe ein Zimmer reserviert“ und füllst einen Meldeschein aus, bevor Du in Dein Bettchen darfst.
Ich verbringe viel Zeit im Auto und im Zug und bin dort viel allein. Meine neue Karre habe ich vor ’nem Monat abgeholt und sie hat bereits 7500 km drauf. Es liegt sicher auch an meinem Fokus auf Schulungen, Vorträgen und Workshops, dass ich viel reise, aber dennoch: Es gehört einfach fest dazu.

Zeitweise mein Wohnsitz
Zeitweise mein Wohnsitz

Es ist etwas, womit Ihr umgehen können müsst, wenn Ihr das #Consultinglife durchziehen wollt. Nicht umsonst habe ich zwei Jahre ausschließlich in Hotels gewohnt, ohne eigene Bude.
Ein Sportverein in der Heimat oder ein Skatstammtisch wird dann eben schwierig.
Vieles lässt sich aber erreichen, wenn man will. Hab einen Kollegen, der mehrfach in der Woche sein Keyboard ins Hotelzimmer schleppt, weil er eben etwas üben möchte.
Die Vorstellung, dass man „ja so viele Städte kennenlernt“, stimmt auch nur bedingt. Gerade in meiner Anfangszeit fiel es mir schwer, nach 10h-Arbeitstagen noch die Stadt anzugucken. So kenne ich von Ingolstadt leider nur Hotel und Büro. Auch das kann man aber lernen, wenn man will. Einfach 6 Uhr morgens anfangen, 18 Uhr Feierabend, ab ans Glas und um 23 Uhr wieder ins Bett. Geht alles, ist anstrengend, aber bockt!

#fitandhealthy

Ja, ein Beraterleben lädt dazu ein, sich einen so richtig schön ungesunden Lebensstil anzueignen. Du kannst problemlos viel von Lieferdienst, Drive-Ins, Hotelservice und sonst was fressen. Außerdem weißt Du auswendig, bei welchem Supermarkt es gute „Take-Away“-Salate gibt und wirst dir vielleicht auch mal ein belegtes Brötchen für 4,50 € an der Raststätte kaufen.

Beraterküche
Beraterküche

Wenn Dir gutes Essen was wert ist, musste bei der Hotelsuche halt paar Minuten mehr investieren und suchst Dir ein Appartement mit Kochzeile oder halt ein AirBnB. Oder Du schließt einen Elektrogrill im Hotelbadezimmer an (im regulären Zimmer geht der Rauchmelder los).
Gleiches gilt für den Sport. „Joggen gehen“ funktioniert natürlich besser, als den heimischen Fußballverein besuchen, aber alles geht. Kann meine Triathlon-Vorbereitung eigentlich auch ganz gut mit dem #Consultinglife kombinieren, wie Du sicher aus meinen Insta-Stories weißt!

Das liebe Geld

Na, spricht Troosti darüber? Ja, die Aufstiegs- und Verdienstchancen in der Beratung sind gut. Auch wenn die Allgemeinheit es vermutet, gibt es aber auch hier nichts geschenkt. Ich weiß, was ich tun muss, um was zu erreichen und dann gibt’s auch ’ne müde Mark mehr dafür.
Was ich aber sagen kann, ist, dass Du Dir als Berater ohne Probleme einen richtig merkwürdigen Ausgabenstil zulegen kannst. 4 € für einen Liter Wasser an der Tanke, kein Problem. Oder auch mal Frühstück im Bahnhof: 2 Brötchen, n Kaffee und ne Cola – 16 €. Ungefähr genauso merkwürdig, wie beim Abendessen im Restaurant 20 € für Getränke auszugeben. In meiner Familie war das Dogma „Trink mal langsam, wir sitzen hier ’ne Weile.“. Auch bekannt als „Jeder nur ein Getränk zum Essen“.
Es gibt aber auch das gegenteilige Extrem. Das Konzept, mit konsequentem Sparen auf die „Financial Independence“ hinzuarbeiten, ist ebenfalls sehr verbreitet. So kenne ich Kollegen, die im Grunde weiter den sparsamen Studentenlebensstil fahren, sich komplett den Arsch aufreißen für einen 20.000 € Jahresbonus, der wiederum komplett in ETFs gesteckt wird, damit man mit 42 in Rente gehen kann. Auch ein interessanter Lebensentwurf.

Die Extrema

Wenn man das Ganze ernsthaft betreibt, sorgt es dafür, dass Du Dich manchmal in komischen Situationen findest.

Der Saft bringt die Kraft, das Abenteuer lacht
Der Saft bringt die Kraft, das Abenteuer lacht

Einfach mal nach einem Geschäftsessen in München um 22 Uhr noch mitm Benz ins Ruhrgebiet heizen und an jeder Raststätte einen Kaffee holen.
Hatte nachher 20 € für Kaffee ausgegeben, aber habs bis 3 Uhr geschafft. Dann noch die Folien für den nächsten Tag vorbereitet und um 9 Uhr Schulung gehalten.
Außerdem wird es dazu führen, dass Du mal zum „Powernap“ auf einen Rastplatz fährst, weil Du auch nach drei Dosen Rockstar jetzt einfach nicht mehr weiterfahren kannst.
Besagter Vollgasberater
Besagter Vollgasberater

Kollege hat neulich Freitags bis 16 Uhr in Liechtenstein gearbeitet, dann ab nach Stuttgart geballert aufm Frühlingsfest sich verdübeln, 00:30 Uhr mitm Nachtzug nach Düsseldorf, im Büro duschen und frisch machen, Auto mieten und ab nach Holland ins Luxosbungalow, um mit den Trainees die bestandene Zertifizierung zu feiern und noch bevor man irgendwem „Hallo“ sagt, erstmal ne Dose Bier aufmachen. Genau DAS ist es, was ich meine.
Das kann nur verstehen, wer das selber schon mal gemacht hat. Es ist ein bisschen wie bei Cops oder Prostituierten, man kann nur als Berater verstehen, was es heißt, Berater zu sein.
Und ich verstehe jeden, der keinen Bock drauf hat und dem es nach einer Zeit einfach zu viel wird, weil er eben mehr zu Hause sein möchte. Hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten mit, aber kann es inzwischen voll nachvollziehen, wünsche mir auch manchmal mehr Zeit in meiner Wohnung oder generell „in einem zu Hause“. Das stellt sich ja zweifelsohne die Frage: Warum das Alles dann?

Warum das Alles dann?

Ganz einfach, weil es der geilste Job der Welt ist. Ich habe als 25jähriger den Buchautor eines SAP-Standardwerkes in SAP-Fragen beraten. Das war sooooo krasse Panic-Zone. Vom Zwei-Leute-Unternehmen bis zum DAX-Konzern war alles dabei in den letzten vier Jahren. In erstem Falle musste ich zur Beratung sogar die Schuhe ausziehen, da das Büro das Wohnzimmer war.
Ich habe gelernt, mit jeder Situation umgehen zu können. Oder besser gesagt: etwas sagen zu können. Als Student war ich schon ein Großmaul, aber als Berater lernstes richtig. Nichts kann einen aus der Ruhe bringen. Ob die Cops anrufen, Schwiergermutter keift oder der DJ im Bierkönig Dir das Micro gibt. Du hast immer was zu sagen und nichts bringt Dich aus der Ruhe.
Ich habe in den vier Jahren unfassbar viel Verantwortung bekommen dürfen, schnell Personalführungsverantwortung bekommen, riesige Projekte mitgestaltet. Mir hat noch nie jemand gesagt „Das kannst Du noch nicht machen, soweit bist Du noch nicht.“ Und das ist ganz typisch für diesen Beruf: „Wenn Du das willst, dann mach halt.“

Und jetzt?

Vier Jahre sind rum und ich habe sie geliebt. Und wisster, was? Ich mache auch noch vier. Oder 40.
Es ist das Leben auf der Überholspur. Ich kann machen, was ich will und wo ich es will. Alter, im Ernst, mein Beruf ist es, vorne zu stehen und jungen Leuten meine Leidenschaft zu erklären. Vom Hochschulvortrag bis zur Führungskräfteschulung war schon alles dabei. Und hinterher gehen wir noch Einen heben fürs Teambuilding!

Der geilste Job der Welt
Der geilste Job der Welt

Ich bin der anarchistische Bankier. Das kleine Kind im Süßigkeitenladen. Mehr Punk als ich mir mit 14 jemals erträumt habe sein zu können.
Kreuz in der Wohnung hängen haben, auf Insta Chrissie Lindner folgen und 60h in der Woche arbeiten. Das ist der wahre Widerstandskampf.
Auch Bock drauf? Meld‘ Dich mal unter bellaciao@troostiboy.de

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