Das Oktoberfest aus niederrheinischer Betrachtung

Ich habe in Unterfranken studiert. Von Heimatfreunden ereilte mich häufig die Frage: „Dann fährst Du sicher häufig aufs Oktoberfest, oder?“. Den meisten Menschen scheint nicht bewusst zu sein, wie nördlich doch mein liebes Herbipolis liegt. Kilometermäßig wäre die Frage „Du wohnst in Würzburg? Da bist Du sicher häufig beim Kölner Karneval!“ genauso gerechtfertigt. Naja, jedenfalls hat es mich erst nach meiner Würzburger Zeit zum größten Volksfest der Welt gezogen. Und es hat mich so sehr begeistert, dass ich noch mal wiedergekommen bin und dass ich diesen Artikel schreibe.

Was über den Maßkrug zu sagen ist

Es spricht viel dafür, aber auch viel dagegen. Kein Sorge, dass ein Maßkrug auf dem Oktoberfest alternativlos ist, ist mir völlig bewusst. Es hat aber schon den Effekt, dass ich einen Großteil des Abends schales Bier trinke. Unter anderem begründet durch den merkwürdigen bayerischen Brauch, bei jeder möglichen Gelegenheit neu anzustoßen.
Irgendwer macht einen Witz, jemand neues kommt dazu, die Kapelle spielt den berühmten „Prosit“ oder auch mal völlig grundlos. Ständig wird neu angestoßen und der ganze Liter goldener Saft wird neu durchgeschüttelt. Kohlensäure adé.

Ich kann ihn verstehen, aber ich kann es nicht akzeptieren
Ich kann ihn verstehen, aber ich kann es nicht akzeptieren

Spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem man sich mit Maßkrug auf der Bierbank stehend befindet, ist klar, dass ab jetzt schales Bier getrunken wird. 0,2er Diebels Alt sieht zwar kleiner aus, wird vom anständigen Kellner eines Schützenfestes aber zeitnah erneuert und sorgt für einen Rausch mit frischem Bier.
So viel zum Rationalen.
Emotional schreie ich aber selbstverständlich jeden zusammen, der sich für ein kleineres Gemäß entscheidet: „Wir sind doch hier nicht auf’m Kindergeburtstag. Ganz im Ernst: 0,5 ist einfach nur peinlich. Trink halt schneller, dann wird’s nicht schal!“ Schön, dass man auch nicht immer rational sein muss.

Der Ablauf

Hinsetzen. Voll machen.
Hinsetzen. Voll machen.

Wem das Schützenfest zu stressig war, für den ist das Oktoberfest vielleicht genau das Richtige. Hier passiert nämlich noch weniger. Kurz gesagt: Früh ankommen, hinsetzen, bis 18 Uhr Blasmusik hören und sich den Kessel aufpumpen und ab 18 Uhr dann ab auf die Bierbank und den Druck ablassen. Heeeeeeeeeey. Heeeeheeeey Baby. Uh. Ah.
Gegen 22 Uhr springt bei mir meist der Autopilot an und ich verlasse das Zelt. Jetzt besoffen erstmal ’ne Runde Autoscooter und noch eine Tüte gebrannte Mandeln. Wer jetzt noch stehen kann, brauch‘ dringend noch irgendeine Kaschemme, um sich die Beine wegzuziehen. Findet sich sicherlich.

Drecks Preußen

Illinois!!!
Illinois!!!

Natürlich gelte ich als schäbbiger Tourist auf diesem Oktoberfest. Ich hab die Eigenart, betrunken auch gerne etwas pseudobairisch zu reden, was mich für die echten Einheimischen nochmal besonders unsympathisch macht. Welchen genauen Numerus „Die Wiesn“ jetzt in welchem Fall wie hat, habe ich glaube ich immer noch nicht verstanden. Um dieses Problem zu überwinden, bietet das Oktoberfest eine Vielzahl an internationalen Gästen.
Für die besteht Deutschland ja meist eh nur aus Bayern und wir tragen alle beruflich Lederhosen. Wie gerne ich mich da als Völkerverständiger aufspiele. Meine Übersetzung „A cheers to the laziness“ für den allseits bekannten „Prosit der Gemütlichkeit“ find ich immer noch bombastisch.

Kommt mir bekannt vor

Völkerverbindend. Er ist Schalkefan.
Völkerverbindend. Er ist Schalkefan.

Wer jetzt denkt: „Hmm, inhaltslose Musik, starker Fokus auf Alkohol, riesige Saufhallen – das kommt mir doch bekannt vor?“ – Völlig richtig! Das Oktoberfest erinnert ein bisschen an Mallorca auf bayerisch. (Shitstorm in 3… 2… 1…)
Ja, mehr Tradition und total stilvoll und super Trachten und blablablabla. Labert nicht. Es geht um Bier. In rauen Mengen. Und es ist ebenfalls von Maschinenbauern und Wirtschaftsingenieuren geplant. Anders kann ich mir diese Genialität nicht erklären, dass Eingang und Ausgang beim Klo voneinander getrennt sind. Fließbandpissen quasi. Da kann der Megapark noch was lernen.

Also, wir fassen zusammen. Oktoberfest ist klasse. Bier. Dirndl. Hendl. Lecker. Lecker. Lecker. Wer kommt nächstes Jahr mit?

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