Wie ein Konzertbesuch auszusehen hat – Teil 1

Wir schreiben den 16.5.2007. Morgen ist Christ Himmelfahrt. Heute spielt Sondaschule in Mönchengladbach. Die Band fand ich mit 18 echt klasse. Eigentlich tue ich das immer noch. Echt eine tolle Kapelle.
Ich bin 18, die Welt ist so sorgenfrei, endlich volljährig, alles in vollen Zügen genießen. Boah war das ein tolles Alter.
Es sollte so einer dieser Abende werden, an denen man quasi in einer zufällig zusammengewürfelten Truppe unterwegs ist. Irgendwie hatten ganz viele Leute spontan abgesagt und wir waren der Rest.

Und los
Und los

Da ist der Typ, der in Mathe neben mir sitzt und eigentlich immer spontan absagt, nennen wir ihn „Verschütt“. Ein Typ aus unserer Stufe, mit dem es musikalisch eigentlich keine Überschneidungen gab, der aber irgendwie die Vorband sehen wollte, nennen wir ihn Rotten. Und, zu guter Letzt, ein Trinkkumpan aus meiner Heimat. Nennen wir ihn „Treter“. So ganz weiß ich nicht, wie der dazu kam.
Alle Namen natürlich frei erfunden.

Wir sind viel zu früh

Ich weiß noch, dass wir uns bereits viel zu früh am Gladbacher Hauptbahnhof getroffen haben. Lass es 15 Uhr gewesen sein. Verschutt kommt zu spät, gut, dafür, dass ich gar nicht mit ihm gerechnet hab, ja eigentlich immer noch ein großer Erfolg.
Kennt Ihr das? Die Truppe für heute ist noch nicht richtig warm miteinander. Wir haben im Grunde den Plan, bis zum ersten Zug am Folgetag durchzufeiern. Das heißt bis 6:26 Uhr. Wenn wir das schaffen wollen, muss hier wirklich alles rund laufen.
Wir steuern erstmal den Kaisers Supermarkt an. Wenigstens in einem sind wir uns einig, wir sind alles Altbiertrinker. Eine solche Zusammensetzung war in Jungendzeiten echt selten.

Das sind echt nur ein paar Meter
Das sind echt nur ein paar Meter

Und so trinken wir uns dann mit Flaschenbier an Parkbänken die Hindenburgstraße in Gladbach hoch. Es ist vielleicht eine der stumpfesten Touren, die ich je mitgemacht hab. Zumindest brauchen wir von der Strecke vom Hauptbahnhof bis zum alten Markt geschlagene 4 Stunden. Für alle Ortsfremden, das sind so 900 Meter. Und wir haben nicht mal im Park zum Kiffen angehalten… oder?

Schnell kristalliert sich ein unterschiedlichees Dringlichkeitslevel heraus. Ich will Sondaschule sehen, die spielen nicht vor 23 Uhr, ich hab überhaupt keinen Stress. Gleiches gilt für Verschütt. Treter ist, glaube ich, alles egal. Nur Rotten, der hat Stress, der will ja irgendwelche Vorbands angucken. Moah, das Bier da ist viel zu teuer. Er kriegt uns aber mit dem Argument, dass in einer der Vorbands ja ein entfernter Bekannter von uns Posaune spielt, da sei man moralisch verpflichtet, sich das anzugucken.

Spottspreis

Die Veranstaltungshalle ist voller Leute, die gerade erst in den Abend starten. Ich bin bereits gut gefüllt. Gott sei Dank, habe ich zu der Zeit im Suff meist die Finger von Schnaps gelassen, das macht man am Niederrhein nicht, hätte mir sonst vermutlich das Genick gebrochen.
Während also Rotten versucht, über die Merchandisetante an die Typen von der Band ranzukommen, widmen wir uns weiter dem Biergenuss. Es ist langsam Zeit für die richtig wichtigen Diskussionen.
Bis heute wird mir vorgehalten, dass ich an dem Abend der Meinung war, es hieße „Spottspreis“ und nicht „Spottpreis“. Heutzutage wäre so ein Konflikt mit Google aufm iPhone schnell gelöst, damals haben wir eine Umfrage gestartet.
Und jeder, wirklich jeder, lachte mich aus, weil ich dachte es hieße „Spottspreis“.

Ort der Spottspreisdebatte
Ort der Spottspreisdebatte

Ah, wer ist das denn? Die Modepunks aus der 10. Ihr müsst wissen, Verschütt und ich sind ja in der 12 und darum um einiges cooler als diese Vollidioten. Ich trage Kurzhaarfrisur und Adidas-Schuhe und habe das Gefühl, Iro und Chucks schon lange hinter mir gelassen zu haben, weil „für diese Pseudokacke bin ich einfach schon zu alt“. Ja, hat doch einen gewissen Witz aus heutiger Betrachtung.
Jedenfalls will der Lange von denen ’ne Kippe von mir. Na gut, aber nicht ohne irgendeinen bescheuerten Deal. Wir einigen uns drauf, dass er ab sofort in der Schulaula unseres bischöflichen Gymnasiums laut „FCKW“ rufen muss, wenn er mich sieht. So als große Punkrockgeste. Was auch immer ich mir dabei gedacht habe, er hat’s durchgezogen. Kippe also redlich verdient. Für alle, die wissen wollen, wer das war: Der Mann von unserer Schule, der aussah wie Max Buskohl.

Es geht los

Ok, Modepunks abgeschüttelt (als wäre ich irgendwas anderes), Spottspreisdiskussion vorbei, Rotten ist auch wieder da. Er hat ein super Angebot bekommen. Anstatt 2 CDs für je 15 €, hat er beide zusammen für 30 € bekommen. Und eine Unterschrift. Auf der Plastikfolie. Ja, richtig gehört. Zu seiner Verteidigung bringt er noch an, dass er dafür noch das halbe Bier vom Sänger bekommen hat. Punk hin oder her, das überzeugt mich nicht. Wir machen uns jetzt den Rest des Abends über ihn lustig.
Moment… die Spottspreisdebatte war erst danach! Weil ich ja meine, die 30 € wären ein Spottspreis.
Naja, jetzt spielt jedenfalls Sondaschule. Also das eigentliche Konzert. Und das war wirklich das perfekte Konzert. Wie genau, erfahrt ihr kommende Woche.

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