Münsterland Giro – Mein erstes Radrennen

3.10.2019, Tag der deutschen Einheit, 6 Uhr aufstehen. Meinen Pre-Wettkampf-Routine kann ich inzwischen wie im Schlaf. Kaffee, Cola, Banane, ab geht’s. Fahrrad ins Auto und los Richtung Münster.
Hier starte ich heute mit Jakob, Sebi und Marvin beim Münsterland Giro. Einem Radrennen rund um die Fahrradstadt. Wir haben uns für die 60km Strecke entschieden. 100km und 130km wären auch nur für Amateure angeboten worden, aber das heben wir uns auf.
7:45 Uhr treffe ich mich mit Marvin an Jakobs Wohnung in Münster. Wie üblich ist das große Rätsel: Wo genau klebe ich jetzt diese Startnummern hin? Bei jedem Wettkampf irgendwie anders.
Kurz nach 8 radeln wir also los Richtung Startbereich um dort auch auf Sebi zu treffen. Der trägt ein Alpecin-Trikot. Mehr als einmal verweise ich auf „Doping für die Haare – Nur für die Haare!“. Alle müssen nochmal Pipi. Gut, dass ich keine dieser Radlerhosen hab, die bis über die Schulter gehen. Wie geht man eigentlich im Triathlon-Einteiler aufs Dixie?
Schon merkwürdig, dass ich jetzt gar keine Wechselzone aufbauen muss und auch nirgendwo schwimmen gehen darf. Es ist mein erstes reines Radrennen.

Startblock

Bereit wie nie
Bereit wie nie

Angeblich ist unser Startblock speziell für „Gelegenheitsfahrer“ und Leute, die einfach nur aus Spaß den Münsterland Giro mal mitfahren. Dennoch sehe ich niemanden ohne professionelles Rennrad und auch niemanden ohne perfekte Rennradkleidung. Ich habe quasi mein Triathlonoutfit an, ergänzt durch einen Pullover. Amateurhaft! Wird Zeit mal wieder Geld in irgendeinem Sportgeschäft zu versenken.
Unser Block wird von Jens Voigt angeführt, ehemaliger Tour de France Profi. Ziel des Blocks soll sein einen Schnitt von 26 km/h zu halten. Mein Ziel ist, komme was wolle, im Hauptfeld zu bleiben und die Vorteile des Windschattens auszunutzen. Ich hab zwar wenig Erfahrungen im „Radfahren in der Gruppe“, aber die wundersame Wirkung von Windschatten ist sogar mir bekannt.

Münsterland Giro startet

Münsterland Giro startet
Münsterland Giro startet

So, noch ein Foto vom Startblock und los geht’s. Bereits nach der ersten Kurve gehen Sebi, Jakob und Marvin aus dem Sattel und treten ordentlich an. Deren Plan ist es, aus dem Hauptfeld auszubrechen und unabhängig davon Gas zu geben. Den ersten Antritt mache ich noch mit, entscheide mich dann aber dagegen. Ich bleibe im Hauptfeld. Nach ein paar Kurven durch den Stadtteil Kinderhaus (Ich wusste gar nicht, dass auch Münster hässliche Ecken hat) geht es ab ins Nirgendwo.

Streckenprofil
Streckenprofil

Malerische Ortschaften wie Mariendorf, Fuestrup oder Schmedehausen durchqueren wir. Ich kann mich gut im Hauptfeld halten. Wer noch nie Windschatten gefahren ist, es ist wirklich UNFASSBAR. Rechnerisch hat man wohl rund 30% Kraftersparung, es fühlt sich aber wie 70% an. Ich trete entspannt bei GL1-Puls und habe über 30 km/h drauf. So lange es auf der Geraden ist, alles gut.
Aber immer wieder entzerrt sich das Feld an Kurven oder schmalen Stellen. Danach muss wieder angetreten werden um auf den Rest aufzuschließen. Also, Hände nach unten an den Lenker, Rübe runter, hochschalten und ordentlich drücken. 25 km/h im Wind fühlen sich mindestens so anstrengend an wie 35 km/h im Hauptfeld. Ich liebe „große Gänge“ treten, fühlt sich einfach geiler an als in Hückeswagen im kleinsten Gang mit 10 km/h den Berg hochackern. Wie soll das nur beim Allgäu Triathlon werden?

Halbzeit

Zunge raus am Anstieg
Zunge raus am Anstieg

Ruckzuck habe ich die ersten 30km geschafft. Kurzer Blick auf die Uhr: 59 Minuten unterwegs. Ah, wir fahren also einen Schnitt von über 30 km/h? Damit habe ich zwar nicht gerechnet, aber ist wirklich ein angenehmes Forderungslevel. Im Flachen komme ich gut mit und jede Steigung (im Münsterland maßgeblich Autobahnbrücken) jagt den Puls ein bisschen die Höhe. Bergsprints bei meinem Gewicht sind einfach ein Traum.

Eh ich mich versehe, steht schon auf dem Landstraßenschild „Münster 15km“, das ging wirklich flott. Noch über die Rieselfelder bei Gittrup und dann geht’s auch schon Richtung Münster rein. Die komplette Grevener Straße geht’s lang und ich bin voll der Wehmut. Von 2014-2016 habe ich in Münster gewohnt, zwar in einem anderen Stadtteil, aber verbinde immer noch viele schöne Erinnerungen mit der lieben Stadt im Lindenkranze. Und man muss schon sagen, jetzt über die Steinfurter Straße auf den Schlossplatz fahren, das ist einfach eine traumhafte Kulisse.
Nach genau 2 Stunden 0 Minuten und 45 Sekunden überquere ich mit 34,5km/h die Ziellinie. Damit knapp unterm 30km/h-Schnitt geblieben. Alles in allem zufriedenstellend.

Münsterland Giro durch

Am Ziel
Am Ziel

Auf dem Schlossplatz treffe ich auf die Anderen. Heute gibt’s Krombacher Alkoholfrei in sämtlichen Geschmacksrichtungen for free. Als Tipp: Grapefruit schmeckt scheiße. Wir tauschen uns aus über die verschiedenen Erlebnisse auf der Strecke. Sebi hat sich verpokert und fuhr zwischenzeitig 10km alleine im Wind, der Rest hat auch außerhalb vom Hauptfeld viel Windschatten gefunden.
Ich muss sagen, interessant wie viel Taktik doch in so einem Radrennen steckt. Während ein Triathlon im Grunde ja ein

Münsterland Giro durch
Münsterland Giro durch

Einzelkampf gegen die Uhr ist, ist es beim Radrennen ein ständiges Abwägen aus „Ausreißen“ oder „Windschatten“. Strava bescheinigt mir heute mehr Watt getreten zu haben als Fliegengewicht Sebi. Wusste ich’s doch! So hab ich mir das 400 gramm Rib-Eye-Steak wenigstens verdient. Die 5km zurück zu Jakobs Wohnung fühlen sich anstrengender an, als die letzten 20km vom Münsterland Giro. Ja, mir tut der Hintern weh. Aber nächstes Jahr definitiv wieder. Dann aber die 100km.

2 Kommentare

    1. Servus!
      Ich bin mit einem Cannondale Synapse unterwegs. Folgendes Modell hatte ich geschossen: https://fahrrad-xxl.de/cannondale-synapse-disc-dura-ace-x0037525
      Preislich sicherlich kein Schnäppchen, aber über das Jobradleasing bei mindsquare sehr attraktiv.
      Das Rad ist „offiziell“ bis 136KG zugelassen, bricht aber natürlich nicht bei einem Kilo mehr zusammen. Habe bisher keinerlei Probleme.
      Für die Abmessung der passenden Rahmenhöhe und dem generellen Bikefitting empfiehlt sich, wie so häufig, der Gang ins Fachgeschäft.
      Viele Grüße
      Troostiboy / Alex

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