Mein Hermannslauf

Die Ausdauersaison 2021 klingt langsam aus. Mein Saisonhighlight habe ich mit dem IRONMAN 70.3 in Duisburg mit Bravour hinter mich gebracht.

Höhenprofil des Tages
Höhenprofil des Tages

Während im normalen Triathleten-Leben wohl ein Herbstmarathon anstehen würde, habe ich mich für den Hermannslauf entschieden. Ein absoluter Klassiker für alle in der Region Ostwestfalen-Lippe.
31,1km Strecke, 600 Höhenmeter rauf und 800 Höhenmeter runter warten auf mich. Einmal quer durch den Teutoburger Wald, vom Hermannsdenkmal bis zur Sparrenburg. Über Stock und Stein! Da sind wir mal gespannt.

Get ready for Hermannslauf

Verrückterweise muss ich erst um 7 Uhr aufstehen und kann komplett tiefenentspannt frühstücken. Die Anreise kann ich nämlich per Shuttle-Bus erledigen, der am Bielefelder HBF startet. Alles fußläufig von meiner Wohnung aus. Gefühlt sind gerade nur Leute mit Startnummer in den Start unterwegs. Vor der Bierbörse stinkt es nach Pisse und Kotze. Lustig.

Der Namensgeber
Der Namensgeber

Da meine Trainingsgruppe mal wieder vom Verletzungspech heimgesucht wurde, reise ich heute allein an. Impfausweis & Startnummer zeigen, ab in den Shuttlebus, Kopfhörer mit gutem Podcast rein und so komme ich um 9:30 Uhr bereits am Hermannsdenkmal an.
Rund 3.000 Läufer starten hier mit mir. Meine Startgruppe ist um 11:21 Uhr dran. Daher habe ich noch ausreichend Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang um das Denkmalsgelände.

Erstmal chillen
Erstmal chillen

Ich lege mich auf eine Wiese in die Sonne und trinke meine mitgebrachte Cola. Carboloading habe ich inzwischen perfektioniert. Am Vortrag insgesamt 1000 g Kohlenhydrate zu mir genommen. Unter anderem 500 Gramm Spaghetti mit 850ml Ketchup und 2 Liter Fanta. Ich bestehe nur noch aus Zucker. Das hat schon vor Duisburg gut geklappt, ich bin so hibbelig, ich muss jetzt voll einen raushauen.

Respekt dafür!
Respekt dafür!

Um kurz vor 11 bewege ich mich Richtung Startbereich um die Favoriten in der ersten Startgruppe zu beobachten. Lustiger Moderator, gute Musik, ausgelassene Stimmung – diese Minuten vorm Start haben immer etwas richtig schön unschuldiges. Es läuft sogar jemand in kompletter Feuerwehrmontur mit. Für den guten Zweck. Schöne Sache.
Tatsächlich muss ich sagen, im Vergleich zum durchprofessionalisierten Age-Group-Starterfeld einer IRONMAN-Veranstaltung ist es hier wirklich bedeutend herzlicher. Bin auch der einzige mit Jan-Frodeno-Socken. Man kommt sofort ins Gespräch miteinander. Ich will quasi schon routinemäßig ne Runde Pilsbier am nächsten Büdchen holen, da fällt mir wieder ein, dass wir ja für Sport hier sind.

mindsquare spotted!
mindsquare spotted!

Werde mehrfach auf mein „mindsquare-Laufshirt“ angesprochen. So ist das eben als Vertreter des besten Arbeitgebers Kontinentaleuropas! Coole Laufkleidung inklusive.

Startschuss!

11:21 Uhr geht es dann auch schon los. Ein paar Meter bergan auf das Denkmal zu und dann rechts in den Wald. Der erste Kilometer ist noch sehr unrund. Zu viele Läufer auf zu wenig Platz. Ersten Kilometer laufe ich auf 6:34min/km.
Pacing wird heute eh so eine Sache. Allgemein sagt man so, die Belastung des Hermannslaufs sei mit einem Marathon gleichzusetzen. Nen Marathon würde ich aktuell wohl auf 6:00min/km pacen. Das kannste aber überhaupt nicht als Grundlage für den Hermann nehmen. Richte mich eher nach der Herzfrequenz und so ist meine Taktik „Bergauf nicht mehr als 160er Puls, in der Ebene irgendwas um die 6:00 laufen und bergab einfach die Beine laufen lassen“.
Das hatte mir die erfahrene Hermannsläuferin Lisa auch als Tipp mitgegeben. Bergab machste Tempo.
Und so lasse ich bei Kilometer 2 mit 5:01min/km bergab bereits einen erheblichen Teil der Startgruppe hinter mir und habe nun endlich Platz.

Ganz wildes Pacing!
Ganz wildes Pacing!

Zwischen 4:15min/km und 8:45min/km steht heute alles mal auf meiner Uhr. Pacing kann man das nun wirklich nicht nennen. Man rennt einfach.

Und – was soll ich sagen – das ist mega geil!
Ich habe mir die Strecke nicht sonderlich gut eingeprägt, ich weiß grob bei welchen Kilometern die Verpflegungsstellen sind, aber davon abgesehen bin ich jedes Mal überrascht, was so Kilometer für Kilometer auf mich wartet.

Die Zeit verfliegt

Mama, jetzt nicht
Mama, jetzt nicht

Und Ruckzuck bin ich schon bei Kilometer 10. Hier geht’s auf die Panzerstraße in Augustdorf. Schön bergab auf Asphalt nochmal Tempo machen. Plötzlich macht die Garmin Alarm. Was ist das? Ah, mein Handy. Nein Mama, ich kann jetzt nicht. Melde mich später.

Es folgt ein recht langgezogener Anstieg bis kurz vor Oerlinghausen. Mich überholen wieder einige, die ich bergab hinter mir gelassen hatte. So hat jeder wohl seine Spezialität. So, Tönsberg endlich erreicht. Oben auf dem Kamm geht es tatsächlich mal einen Kilometer ebenerdig. Das ist ja langweilig! Wann geht’s endlich wieder ab?
Ah, da vorne! Eine Frau ruft kurz vorm Abstieg: „Genieß Oerlinghausen!“
Was das wohl bedeutet?
Erstmal jetzt wieder 100 Höhenmeter aufm Kilometer runter bis in die Innenstadt von Oerlinghausen. Sogar Kopfsteinpflaster! Erinnert an Paris – Roubaix. GottseiDank besseres Wetter.

Feel Oerlinghausen

Oerlinghausen is eh Jefühl
Oerlinghausen is eh Jefühl

Beim Einbiegen in die Fußgängerzone jubelt mir mein Arbeitskollege Ingo vom Streckenrand zu. Grüße! Hier ist wirklich Volksfeststimmung. Das ist großartig. Musik und Bierbuden. Bin kurz davor mir ein Herforder Pils zu nehmen. Also wer glaubt der Queen Ka’ahumanu Highway auf Hawaii sei der Himmel des Ausdauersports, der ist wohl noch nie durch Oerlinghausen gelaufen! Mit einem Grinsen im Gesicht geht es wieder bergab bis ins Schopketal, wo wir bei Kilometer 20 den tiefsten Punkt des Laufs erreichen.

Ich weiß, etwa bis Kilometer 27 geht’s jetzt bergauf. Aber mein Gott, läuft schon irgendwie!
Sämtliche Racepacing-Überlegung und sonst was sind eh irrelevant, das kann bei den Höhenmetern eh kein Mensch abschätzen. Hatte mir mal 3h30min als Ziel gesetzt, sieht aus als würde es klappen, aber irgendwann kommen ja auch noch die berühmt berüchtigten Lämershagener Treppen heißt es.

Irgendwo zwischendrin steht auch mein Kollege Lars am Streckenrand. Den hatte ich hier irgendwie überhaupt nicht erwartet. Bin (wie immer) überfordert etwas sinnvolles auf die Anfeuerung zu antworten. Danke jedenfalls.
Überhaupt muss man aber sagen, das ist irgendwie der Charme des Hermannslaufs. Du läufst halt wirklich durch viele Wohngebiete, wo Leute in ihrer Einfahrt Flaschenbier trinken und Musik laufen haben. Wäre auch nochmal ein Lifegoal: Wohnsitz an der Hermannsstrecke.

Das Ziel kommt näher

Utze Utze!
Utze Utze!

So ab Kilometer 25 weiß ich auch ungefähr wieder, wo wir sind. So weit kann ja eigentlich nicht mehr sein. Und wie so häufig, wenn man vor einem bestimmten Streckenabschnitt totale Angst hat: So schlimm waren die Treppen nun auch nicht. Je näher ich Bielefeld komme, desto mehr ist auch am Streckenrand los. Am Ausflugsziel „eiserner Anton“ legt ein DJ auf. Ja mein Gott, warum nicht?

Je näher es ans Ziel geht, desto ausgelassener wird auch die Stimmung im Teilnehmerfeld. Bin gefühlt nur noch am Quatschen. Und ruckzuck ist auch schon die Promenade und Zielgerade hörbar! Kurzer Blick auf die Uhr: 3:19:24 und es geht auf den letzten Kilometer. Ok. Ich hab zwei Optionen: entspannt lächelnd ins Ziel oder Vollgas geben und unter 3:25 bleiben. Entscheidung ist klar. Ich ziehe das Tempo an, zusätzlich motiviert von Lisa und Jessi die mich auf der Zielgeraden anfeuern und so erreichen ich mit dem höchsten Puls des Tages nach 3h24min17Sekunden das Ziel.

Fazit

Ins Ziel fliegen!
Ins Ziel fliegen!

Boah. Zielsprint nach 3,5h Sport brauche ich eigentlich nicht, aber man muss sagen: das hat Spaß gemacht. Ich stehe etwas neben mir und brauche ein paar Becher Wasser und Stückchen Banane bis ich wieder klare Sätze sprechen kann.
Fazit: Das war einfach nur geil. Die kurzweiligsten 3,5h Laufen aller Zeiten. Super abwechslungsreich und grandiose Stimmung. Ich habe zwar eine gesamte Woche Muskelkater davon getragen, aber das war es wirklich wert.
Bedingungslose Empfehlung! Beim 50. Hermannslauf 2022 bin ich auf jeden Fall wieder dabei!

Und ach übrigens, wer sich nicht direkt bei mindsquare bewerben möchte fürs coole Laufshirt, der kann ja mal auf swimbikerunstore.de vorbeischauen. Mit „TROOSTIBOY20“ gibt’s auch 20% Rabatt 😉

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