Alle guten Dinge sind drei – Heidesee-Triathlon

Sonntag, 4:55 Uhr, Wecker klingelt. Wahrlich noch ein komisches Gefühl, dass „früh aufstehen und zum Wettkampf fahren“ inzwischen auch irgendwie Routine wird. Mein dritter Triathlon in diesem Jahr.
Duschen, Scheitel ziehen, Rad ins Auto laden. Gepackt habe ich schon alles am Vortag. Beim Rausfahren aus der Tiefgarage stolpern mir ein paar Betrunkene vor die Karre. 5:30 Uhr morgens in Bielefeld, da bin ich zu besonders glorreichen Tagen auch gerne mal erst aus der Bierbörse gekommen.
Ich fahre in Richtung Gütersloh um meinem Arbeitskollegen Yannick einzusacken. Gemeinsam mit ihm und den Kollegen Marvin, Jakob, Sebi und Michael wollen wir den Heidesee-Triathlon absolvieren. Irgendwo im Nirgendwo im Oldenburger Münsterland. Das schöne ist ja, praktisch jedes Wochenende ist irgendwo ein Triathlon. So haben wir erst den Termin festgelegt und dann einen Ort gesucht.
Yannick und Michael sind erstmals dabei, der Rest aus Hamburg quasi triathlonerfahren.
Die A33 an einem Sonntagmorgen um 6 Uhr ist ein Traum. Überpünktlich kommen wir an, quasi zeitgleich mit dem Rest.
Startunterlagen abholen ist hier noch entspannter als in Hückeswagen. Schließlich sind es auch nur 200 Starter, es wird wirklich eine sehr familiäre Veranstaltung. Das einzige, was mich noch beunruhigt, ist die Temperatur. Es sind 15 Grad und bewölkt. Es liegt ein solcher Nebel über dem Heidesee (ein klassischer Baggersee), dass wir die Schwimmstrecke noch gar nicht richtig erblicken können.

Ironman?

Käsebrötchentime!
Käsebrötchentime!

Parallel läuft heute übrigens die Ironman 70,3 Weltmeisterschaft in Nizza. Marvin und ich verfügen im Grunde bereits über genug Klugscheißerwissen um dort zu kommentieren. So wird Yannick erstmal angepflaumt, als er glutenreich frühstückt. „BROT MACHT LANGSAM!“ Unbeeindruckt frühstückt er sein Käsebrötchen weiter.

Naja, erstmal Fahrräder einchecken.
Ich mache den gleichen Fehler wie in Hückeswagen und Hamburg. Nach Ablegen meiner Lauf- und Rennradschuhe in der Wechselzone bin ich barfuß und friere somit bis zum Start aus dem kalten Schotterboden. Kann ja keiner dran denken ein drittes Paar Schuhe mitzunehmen.
Dadurch kommt die berechtigte Rückfrage von Michael: „Ey Troosti, warum hast Du eigentlich ein 5000 € Fahrrad, aber keine Flipflops?“
Der war nicht schlecht, da bin sogar ich sprachlos. Ich frag mal nach, ob das auch über Jobleasing geht.
Die Wettkampfbesprechung ist grundsympathisch dörflich. Vom Viehanhänger erklärt mir hier jemand nochmal alle Routen. Von der „Wasserpest“ im Teich ist die Rede. Keine Ahnung, was er meint.

Wasserpest?

Bereit wie nie!
Bereit wie nie!

So, auf zum Wasser, gleich geht’s schon los. Die Wassertemperatur liegt bei 20 Grad und ist somit tatsächlich sehr angenehm. In wenigen Sekunden geht’s los. Wir klatschen uns nochmal gegenseitig ab und wünschen uns „Viel Spaß und genießt es!“. Habe ich auch erst lernen dürfen, dass ein Triathlon tatsächlich was zum genießen ist.
Die Startkanone ertönt und auf geht’s! Wir rennen ins Wasser und schwimmen los. Bereits nach wenigen Metern kriege ich zu spüren, was der Mann mit Wasserpest meint. Immer schwimmen wir durch einen gefühlten Algen/Seetang/Wasauchimmer-Teppich.
Schwimmen läuft aber wie immer gut. Zwischenzeitig überhole ich sogar Sebi, der in Hamburg noch eine Minute vor mir aus dem Wasser ist. Er wird nachher die Ausrede „beschlagene Brille“ anführen.
Nach 14 Minuten ist meine Schwimmstrecke vorbei.

Schwimmen durch

Bist Du auch durch diesen Teppich geschwommen?
Bist Du auch durch diesen Teppich geschwommen?

Direkt neben mir kommt Michael aus dem Wasser. Auf dem Laufweg zur Wechselstrecke lachen wir uns über „diese Algenscheiße“ kaputt. Von hinten sehe ich Marvin, wie er sein Rad bereits aus der Wechselzone schiebt. Gut, der ist also auch noch nicht ertrunken. Jakobs Rad ist schon weg, der Gute scheint in Höchstform. Gemeinsam mit Sebi und Michael erreiche ich unsere Wechselposition.
So, abtrocken, Shirt, Socken, Schuhe an. Helm auf. Brille. Startnummer. Ab geht’s. Ein kurzes Stück durchs Wohngebiet geht’s raus aufs Feld, nach den ersten Kurven holt mich Michael ein, den ich beim Wechsel hinter mir gelassen hab. „Viel Spaß und bis später“.
Die Strecke ist flach. Das ist eine Wohltat im Vergleich zu Hückeswagen. Noch eine ganze Weile kann ich Michael im neonorangen Shirt als Orientierungspunkt am Horizont nutzen.
Bei Kilometer 7 überholt mich Yannick. Wie üblich ein kurzes Anschreien „GIB ALLES JUNGE!“.

Das Streckenprofil ist ein Traum
Das Streckenprofil ist ein Traum

Die flache Strecke macht richtig Bock. Immer wieder kann ich stark beschleunigen, dann folgen scharfe Kurven, abbremsen und ich kann wieder neu antreten. Richtig warm werden die Beine trotzdem nicht. Fühlen sich noch sehr kalt vom Schwimmen an. Hab ich in Hamburg wohl nicht gemerkt, weil ich dort noch zu nervös war.
Egal, es macht richtig Bock hier heute große Gänge zu treten. Über 1000 Watt – immer rechtes Blatt! Radfahren hat was meditatives. Du kriegst kaum was von außen mit und bist ganz für Dich. Schwimmen ist Krieg. Laufen ist Kampf. Aber Radfahren, das ist Meditation.
Nach 22,5 km ist die Radstrecke auch vorbei. Beim Schieben in die Wechselzone werde ich von unseren Supportern angefeuert. Caro brüllt „Nur noch Laufen, Deine Paradedisziplin.“

Laufen

Die Laufstrecke
Die Laufstrecke

Hab ich gerade richtig gehört? Paradedisziplin? Naja, wollen wir mal sehen.
Rad weg, Helm weg, Laufschuhe an und los geht das.
Beim Rauslaufen aus der Wechselzone werde ich von gefühlt dem ganzem Dorf angeschrieen. Da hier ja niemand meinen Namen kennt, höre ich fortwährend „Super, Nummer 85!“ „Weiter so, 85!“. Der Support auf der gesamtem Laufstrecke ist tatsächlich und einiges euphorisierender, als er es in den Morgenstunden in Hamburg war.
Die Laufstrecke geht am See entlang und dann mitten durch den Wald. Ziemliche Offroadstrecke, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Mit Blick auf die Uhr kontrolliere ich mein Tempo: Nicht zu viel Gas geben, wir wollen das durchhalten.
Kurz vor der zweiten Verpflegungsstelle überholt mich Marvin, der schon auf der zweiten Laufrunde ist. Ich höre ihn quasi völlig erschöpft hauchen „Gib alles, Troosti.“
Gut, der Mann ist auch 1,5km vorm Ziel, aber freut mich, dass er sich auch ziemlich am Arsch anhört! Der zweite Teil der Runde ist asphaltiert, das macht mehr Spaß und gibt bessere Pace. Jetzt noch einmal an Start/Ziel links vorbei und auf in die letzte Laufrunde.
Ich denke in Etappen. „Erstmal laufe ich bis zu Verpflegung1, dann zu Verpflegung2, dann bis zum Asphalt und dann ins Ziel.“
Das schöne an Triathlon-Veranstaltung ist übrigens, man hat nie das Gefühl allein zu sein, da ja mehrere Wettbewerbe parallel laufen. Also obwohl ich natürlich vom 9:15 Uhr Start zu den hinteren gehöre, gab es ja auch noch eine Startgruppe von 9:30 Uhr, so wie einen Staffelstart um 9:45 Uhr. Spätestens auf der Laufstrecke vermischt sich alles und ich habe nie das Gefühl „allein hinten“ zu sein.
Ab dem Asphalt merke ich, dass da noch was geht. Also: Gashahn auf! Kilometer 4 und 5 werden die schnellsten am heutigen Tage sein.
Als Mismatcher ärgere ich mich nachher, nicht vorher auf die Tube gedrückt zu haben. Aber das gehört wohl dazu. Besser so als verpokern.
Da ist auch schon das Ziel. Die Gang feiert mich wie einen Olympiasieger. Hach, es war wirklich wieder schön. 4 Minuten Schneller als in Hamburg und das bei längerer Radstrecke. Jeder von uns hat sein individuelles Zeitziel erreicht, Spaß gehabt und wahnsinnig viel gelacht an diesem Tag. I‘m in deep love with #swimbikerun!

Durch!
Durch!

Noch beim Cola trinken und Süßigkeiten fressen im Zielbereich planen wir den nächsten Wettkampf. Ok, 3.Oktober Münsterland Giro. Aber was geht noch? Wir können ja danach nicht bis zum Halbmarathon im April in Hannover einfach Wettkampfpause machen…

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